Rudern: Rostocker Ruder-Quartett mit Weltcupstart in München
Weltmeister Stephan Krüger & Co. für Deutschland in München am Start
Auf der olympischen Regattastrecke von 1972 in München-Oberschleißheim werden 655 Athleten aus 40 Nationen in 293 an drei Wettkampftagen ihr Leistungsvermögen testen. In 17 Bootsklassen, 14 olympischen und 3 nichtolympischen, geht der Deutsche Ruderverbande mit 72 Athleten auf die 2000 Wettkampfmeter. Mittendrin statt nur dabei sind vier Rostocker Ruderasse. Die letzten Tage verliefen turbulent und nicht nach dem Geschmack von Bundesstützpunkttrainer Meinhard Rahn. „Eine Hiobsbotschaft jagte die Andere. Dass war nichts für schwache Nerven und endete in einem Notfallplan“, zeigte sich der Coach des Rostocker Quartetts ein wenig geschockt und unzufrieden. Sein Weltmeister Stephan Krüger wird den deutschen Doppelvierer der Männer in der Bugposition verstärken. Eigentlich sollte er mit Erik Knittel im Doppelzweier den Weltcuptriumph des Vorjahres verteidigen. Bis Donnerstag der Vorwoche verlief Alles nach Plan. „Doch dann stieg der Berliner mit Magen-Darm-Problemen aus der Vorbereitung aus und Stephan kurzfristig um“, nennt Meinhard Rahn eins seiner zwei Probleme. Aber für den Super-Hammer sorgte Felix Drahotta’s Zweier Partner Nils Menke aus Friedrichstadt. Bei der WM 2009 in Poznań auf Platz sieben platziert, wollte das Duo in dieser Saison mehr. Spekuliert wurde mit einem Rollsitz im Flaggschiff des Ruderverbandes, dem Deutschlandachter. Während Felix die Nichtnominierung verärgert schluckte, reagierte sein Partner panisch motiviert. Am letzten Sonnabend, sieben Tage vor dem Weltcupvorlauf, schmiss der seinen Steuerbord-Riemen in die Ecke und machte unter seiner Sportkarriere einen Schlussstrich. „Sowas habe ich noch nicht erlebt“, zeigte sich Heimcoach Rahn gestern noch mächtig angefressen. In einer Telefonkonferenz mit Cheftrainer Hartmut Buschbacher wurde Felix nach Dortmund abkommandiert und auf Partnersuche geschickt. „Viel bleibt da nicht mehr übrig und ob es für einen Start München noch reicht, steht in den Sternen“, äußerte sich Felix aus dem Motivationsloch. Besser rutscht es bei den beiden Rostocker Mädels. Marie-Louise Dräger will im Einer der leichten Frauen besser rudern als beim Weltcupauftakt. Die Erstplatzierten von Bled (Slowenien) sind in der Bayerns Metropole nicht am Start, so plant man mutig und besser als Platz drei. Mit einem ähnlichen Resultat am finalen Sonntag wäre auch Ulrike Sennewald zufrieden. Sie wird im neuformierten Achter am Riemen auf der Backbordseite ziehen. Mit Spannung wird die 2010-er Premiere des Deutschland-Achter erwartet. Der Weltmeister des Vorjahres wird vom Erzrivalen, der vergangenen Jahre, USA auf seine Qualität geprüft. Aber auch China und Australien wollen nicht nur das Starterfeld auffüllen wollen. Bei den Männer-Einern wird der Frankfurter Marcel Hacker in Schwarz, Rot, Gold an den Ruderblättern auf den Traditionskurs gehen. Von den großen Solisten dieser Welt wird nur Neuseelands Weltmeister und Ausnahmekönner Mahe Drysdale verletzungsbedingt nicht starten, aber Olympiasieger Olaf Tufte (Norwegen) oder Alan Campbell (Großbritannien) verfügen über die Klasse für das Podium. Für die Rostocker Ruderasse kann es nach den letzten Schwierigkeiten und Hiobsbotschaften nur mit „Riemen und Dollenbruch“ wieder aufwärts gehen.
Bildinformation: Felix Drahotta (r.)wird die Rudersaison ohne seinen bisherigen Partner Nils Menke über die Runden bringen müssen.
Weltmeister Stephan Krüger hat sich im Einer wieder in Form gebracht und wird in München im Doppelvierer um Weltcuppunkte kämpfen.
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