OLYMPIASTÜTZPUNKT MECKLENBURG-VORPOMMERN
 OLYMPIASTÜTZPUNKT MECKLENBURG-VORPOMMERN  Kanu Leichtathletik Triathlon Shorttrack Rudern Wasserspringen Boxen Radsport Volleyball  MV tut gut 

Shorttrack: Interview Aika Klein - Denke an die schönen Momente ....


Kurzbahn-Eisschnellläuferin Aika Klein (ESV Turbine Rostock) blickt auf die Winterspiele 2010 und ihre Karriere zurück / "Denke vor allem an die schönen Momente meiner Karriere ..."

Im Januar gab es für Rostocks Short Track-Ass Aika Klein (ESV Turbine) Staffel-EM-Gold in Dresden, bei den Winterspielen 2010 war sie nun die einzige Olympionikin aus Mecklenburg-Vorpommern. Über die 1000 Meter erreichte sie im Pacific Coliseum in Vancouver das Viertelfinale.
Die olympischen Short Track-Wettbewerbe wurden dabei auch 2010 von Asiaten und Nordamerikanern beherrscht. Erfolgreichste Short Track-Nation bei den Damen wurde China mit viermal Gold. Wang Meng erkämpfte als erfolgreichste Short Trackerin dreimal Gold.

Bei den Herren dominierte Korea mit zweimal Gold, dreimal Silber sowie zweimal Bronze. Lee Jung-Su schaffte als erfolgreichster Short Tracker dabei zweimal Gold und einmal Silber.
Gastgeber Kanada erlief ebenfalls zweimal Gold.

Doch wie lautet das Resümee von Aika Klein zu Vancouver 2010 ?!

“Denke vor allem an die schönen Momente meiner Karriere …“

Die 27jährige Aika Klein über die Winterspiele 2010, ihre olympischen Resultate, Versäumnisse in der Förderung des Short Track-Sportes in Deutschland, ihre Karriere und die Winter-Paralympics

Frage: Aika, die XXI.Olympischen Winterspiele sind Geschichte. Wie lautet Ihr persönliches und sportliches Fazit ?

Aika Klein: Insgesamt war ich mit meinen Leistungen in Vancouver schon sehr zufrieden, auch wenn sich das auf den ersten Blick nicht in den Ergebnislisten widerspiegelt. Läuferisch konnte ich mit den Besten schon mithalten, es trennen mich letztendlich keine „Welten“ von den Läuferinnen der dominierenden Länder. Das zeigt auch, dass ich in guter Form war. Leider musste ich eine Disqualifikation hinnehmen, über 1000 Meter geriet ich ins Straucheln. Das ist bei einem Großereignis wie Olympia natürlich doppelt bitter.

Das deutsche Short Track-Team – Tyson Heung belegte ja einen tollen fünften Platz über die 500 Meter – bewies mit den Leistungen von Vancouver, dass es zu den stärksten Ländern in dieser Sportart gehört. Etwas enttäuscht war ich allerdings von der Stimmung in der Halle. Sie war zwar voll besetzt, aber letztendlich wurden doch nur die Läuferinnen und Läufer aus Kanada und den USA frenetisch und einseitig angefeuert. Da hatte ich vorher andere Erwartungen, gelten doch die Kanadierinnen und Kanadier als sehr faires Publikum.

Ich war dann noch bei anderen Wettkämpfen, dort war es ausgewogener. Selbst bei den Short Track-EM in Dresden war es in dieser Hinsicht – offen gesagt – besser.

Frage: Die Short Track-Wettbewerbe wurden wie erwartet von den Großen Vier – China, Korea, den USA und Kanada – beherrscht. Lediglich die Italienerin Arianna Fontana konnte als einzige Teilnehmerin aus Europa über 500 Meter mit Bronze eine Medaille erkämpfen. Was zeichnete die Short Trackerinnen und Short Tracker aus Asien und Nordamerika aus ?

Aika Klein: Eine Medaille für das deutsche Team zu erwarten, wäre eigentlich vermessen gewesen. Gerade in Kanada, den USA, China und Korea ist Short Track Volkssport. Dort besitzt man für Short Track ein Fördersystem, was Deutschland insbesondere im Schlittensport aufzuweisen hat. Die personelle Ausstattung an Trainern und Betreuern, die gesamte Logistik ist in Kanada oder in Korea ganz einfach besser.

Und man darf nicht vergessen: Diese Länder schöpfen aus einem unglaublichen Reservoir an Talenten. Im kanadischen Montreal gibt es bestimmt doppelt so viele Talente und junge Short Track-Begeisterte wie in ganz Deutschland. Short Track hat in Nordamerika, Korea und China eben einen ganz anderen Stellenwert.

Frage: Die deutschen Short Tracker konnten leider nicht zum Medaillen-Regen für das deutsche Team beitragen. Was müsste sich aus Ihrer Sicht ändern, damit die Kurzbahn-EisschnellläuferInnen „Made in Germany“ in Zukunft eine olympische Medaille gewinnen können ?

Aika Klein: So zufrieden ich über die Ergebnisse des deutschen Teams und mir persönlich bin, um so trauriger stimmt mich die Tatsache, dass unsere Ergebnisse, unsere Leistungen in Vancouver kaum gewürdigt und beachtet wurden. Sicherlich haben die alpinen und nordischen Skisportler oder die Schlittensportler große Erfolge, zahlreiche Medaillen feiern können. Aber diese Erfolge sind auch das Ergebnis einer optimalen Förderung. Das ist bei uns noch lange nicht der Fall.

So wurden wir in Vancouver gerade einmal von einem Trainer, Eric Bedard, betreut. Ich finde es wirklich schade, dass die Relationen nicht gewahrt wurden. So lief im Biathlon bei den Herren nicht alles nach Wunsch, aber dennoch standen deren Wettkämpfe ebenfalls im Fokus. Ich hätte mir schon den einen oder anderen Pressevertreter mehr bei unseren Wettkämpfen gewünscht, der auch die Entwicklung des Short Tracks in Deutschland in den letzten Jahren als auch die schwierigen Bedingungen, unter denen wir unsere Erfolge in den letzten Jahren erkämpfen konnte, in den Kontext der Winterspiele gebracht hätte.

Immerhin gehören die deutschen Athletinnen und Athleten im Short Track – neben Italien – zu den besten in Europa. Zuletzt wurden unter anderem die Staffeln Vize-Europameister bzw. Europameisterinnen. Das EM-Gold in Dresden bedeutet mir dabei sehr viel.
Meines Erachtens wurde seitens der Funktionäre, aber auch der Medien versäumt, den positiven Schub, den der deutsche Short Track-Sport in den letzten Jahren erhielt, nachhaltig wirken zu lassen.

Es gibt hier Versäumnisse in der Nachwuchsgewinnung wie in der Vermarktung. Die Erfolge der letzten acht Jahre wurden verspielt. Es gibt keine nachhaltige Förderung für eine bessere Zukunft des Short Tracks in Deutschland, das muß ich bedauerlicherweise feststellen.

Frage: Bei aller Nachdenklichkeit … Was beeindruckte Sie besonders bei den Winterspielen 2010 ? Wie würden Sie die XXI. Winterspiele charakterisieren ?

Aika Klein: Ich habe da ja gute Vergleichsmöglichkeiten – zu Salt Lake City 2002 oder Turin 2006. Für mich gibt es kein unbedingtes „Besser“ oder „Schlechter“. In Salt Lake City, einer kleineren Stadt, war alles viel zentraler und familiärer. Es waren für mich sehr angenehme Spiele. Aber auch Vancouver waren schöne Spiele – unabhängig von der Enttäuschung über das kanadische Short Track-Publikum.

Wenn man in der Nacht, um 3.00 Uhr, noch durch die Straßen Vancouvers zog, pulsierte dort immer noch das Leben. Die Leute waren unterwegs, machten Musik und freuten sich, dass sie Gastgeber Olympischer Winterspiele sein durften. Man lebte dort einfach den olympischen Traum, die olympischen Ideale. Die Kanadierinnen und Kanadier freuten sich, uns, die Athletinnen und Athleten, begrüßen zu können, in der Stadt zu haben. Man sprach uns an, beglückwünschte uns oder wünschte nur viel Glück. Das olympische Flair in Vancouver stimmte.

Das war in Turin 2006 noch ganz anders. Zwar war die Organisation gut, aber olympische Atmosphäre herrschte dort nicht. Alles war dezentral, es waren die Winterspiele der weiten Wege. Für mich war vielleicht Salt Lake City 2002 noch ein wenig angenehmer, stimmungsvoller als Vancouver. Die XXI.Olympischen Winterspiele waren „alles in allem“ ein großer Gewinn für den olympischen Wintersport

Frage: Konnten Sie auch andere Wettbewerbe live verfolgen ? Welche Leistungen, welche Olympioniken beeindruckten Sie – auch jenseits des Short Tracks ?

Aika Klein: Ja, ich war noch zu vielen anderen Wettkämpfen unterwegs, vorzugsweise in den Eissportarten, denn Whistler, Austragungsort der Entscheidungen im Skisport, war dann doch zu weit weg, und wir hatten ja noch unser Training. So waren wir Short Tracker beim Eisschnelllaufen, beim Eishockey (Deutschland gegen Weißrussland) und beim Eiskunstlaufen. Dort hatten wir Tickets für die Kür der Damen – unvergesslich. Insbesondere die kanadische Eiskunstläuferin Joannie Rochette imponierte mir.

Kurz vor ihren Wettkämpfen starb ja ihre Mutter (Rostock-Sport berichtete), sich dennoch – nach diesem so tragischen und traurigen Ereignis – dem Wettkampf zu stellen und eine Medaille zu gewinnen, ist wirklich bewundernswert. Sie verwirklichte damit ihren Traum und den ihrer Mutter, die ja ebenfalls dem Eiskunstlaufsport sehr nahe stand. Ja, das Schicksal und die Leistung von Joannie berührten mich schon sehr.

Frage: Sie kündigten Ihren Rücktritt an. An den WM in Sofia werden Sie noch teilnehmen. Wie geht es dann für Sie weiter ? Short Track ohne Aika Klein – das ist ja eigentlich ein NO GO …

Aika Klein: Vancouver waren mit Sicherheit meine letzten Olympischen Winterspiele. Den genauen Zeitpunkt des Rücktritts habe ich ja noch offen gelassen. Ich möchte mir alles genau überlegen, nicht, dass ich mir nach drei Monaten eingestehen muß, dass ich noch weiter machen will. Gerade, wenn ich an das Leistungspotential der Staffel denke, kommt schon Wehmut auf.

Aber ich muß auch an das Leben nach dem Sport denken. Letztendlich habe ich in den letzten Jahren viele Opfer auf mich genommen, um erfolgreich im Short Track zu sein. Daher dauerte mein Studium der Wirtschaftswissenschaften schon länger als geplant, auf viele andere Dinge musste ich ebenfalls verzichten. Leider habe ich den Eindruck, dass viele Erfolge nicht die Würdigung und Aufmerksamkeit erhielten, die sie eigentlich verdienten. Die Medaillen bei EM oder im Weltcup, die Olympia-Teilnahmen – alles wurde nur sehr marginal und temporär sehr befristet in das Blickfeld gerückt. Das ist schon enttäuschend.

Sicherlich: Ich habe mich bewusst für eine sportliche Karriere als Short Trackerin entschieden, möchte diese auf keinen Fall missen, aber mehr Aufmerksamkeit für meine Sportart hätte ich mir in Deutschland schon gewünscht.
Aber ich denke nun vor allem an die schönen Momente der Short Track-Laufbahn …
Vielleicht gibt es ja noch finanzielle Möglichkeiten, die eine Fortsetzung der Karriere mit sich bringen ?! Mal schauen.

Letzte Frage: In wenigen Tagen beginnen die Winter-Paralympics. Ein Sportereignis, da Ihr Interesse findet ?

Aika Klein: Also, ich finde es schon bewundernswert, was die Athletinnen und Athleten mit Handicaps leisten. Sie müssen nicht weniger hart trainieren als Sportler ohne Handicaps – ganz im Gegenteil. Leider befürchte ich, dass auch deren Leistungen nicht so im medialen Mittelpunkt stehen. Wir, im Team, hatten uns bereits in Vancouver über die Winter-Paralympics unterhalten.

Unsere Meinung ist, die Winter-Paralympics am besten vor den Olympics stattfinden zu lassen. Nach Olympia ist es doch meistens so, dass die ganz große Spannung, das ganz große Interesse für die Winterspiele schwindet … Ich persönlich werde auf jeden Fall die Wettkämpfe per TV verfolgen.

Dann alles erdenklich Gute für Sie und bleiben Sie dem Short Track möglichst noch eine Weile treu ! Bestmögliche Resultate auch bei den WM ...

Fotos:
1.Aika Klein und das Team vor der olympischen Flamme. Aika Klein/privat
2.Aika Klein beim olympischen Wettkampf 2010. Aika Klein/privat
3.Aika Klein mit der Eiskunstlauf-Olympiasiegerin Kim Yu-Na (Korea). Aika Klein/privat
4./5.Seit einem Jahrzehnt top - Aika Klein vom ESV Turbine Rostock. D.Nuelken
6.Aika in Action. DKB
7.Logo Olympia Vancouver 2010.
8.Olympia-Maskottchen 2010.





HOMEDRUCKEN